Die spannende Geschichte der Hypnose

Eine Kurze Übersicht  
Ägypten, Antikes Griechenland

Hypnose ist keine neuzeitliche Erfindung. Es existieren Berichte, wonach bereits im antiken Griechenland in den Tempeln des Asklepios, in Epidaurus oder auf Kos, die Behandlung von Krankheiten durch den „Tempelschlaf“ praktiziert wurde.

Der Bewusstseinszustand des Tempelschlafes ist mit dem hypnotischen Zustand vergleichbar. Antike Erfahrungsberichte beschreiben den Bewusstseinszustand während des Tempelschlafes als Zustand zwischen wachen und schlafen.

Auch in der ägyptischen Hochkultur (ca. 500 v. Chr.) wurde der Tempelschlaf therapeutisch eingesetzt. In den Serapis-Tempeln in Memphis/Aegypten und auch in den Isis-Tempeln entlang des Nils versetzten Priester die Kranken in einen neun Tage dauernden „magnetischen Schlaf“. Im Traum erschien dem Kranken die Göttin Isis, die ihm Informationen über seine Krankheit und Tipps zum Gesundwerden lieferte.
Johann Joseph Gassner (1727 - 1779) Teufelsbanner und Wunderheiler
Gassner war ein katholischer Pfarrer und Exorzist. Er praktizierte in Konstanz, Ellwangen und Regensburg. Anfangs räumte Gassner noch ein, dass es auch "natürliche", nicht von einem Dämon verursachte Gebrechen gebe, aber im Laufe der Zeit waren in seinen Augen so ziemlich alle Krankheiten "unnatürlich". Nachdem er seine häufig auftretenden Schwindelanfälle und Kopfschmerzen erfolgreich „exorziert“ hatte, benutzte er diese katholische Exorzismus-Riten auch bei anderen Menschen.
Franz Anton Mesmer (1734 - 1815)
Mesmer studierte in Wien Medizin. Zu seinen ersten Arbeiten gehört die Abhandlung "De planetarum influxu". In dieser versuchte er nachzuweisen, dass die Himmelskörper durch ihre gegenseitigen Anziehungskräfte einen Einfluss auf unser Nervensystem ausüben. Auch Magnete bezog er als heilkräftig in sein System ein. Später arbeitete er in Wien mit dem Pater Hell, der ebenfalls durch Magnetismus heilen wollte, zusammen. Dabei entwickelte er die Theorie von einer dem Magnetismus ähnlichen Kraft, die er "animalischen Magnetismus" nannte. Zurück in Wien gründete er ein Hospital zur Ausübung seiner Heilmethode.
Mesmer magnetisierte die Patienten vorwiegend auf zwei Arten:
In der Einzelbehandlung sass der Magnetiseur vor dem Patienten, führte Handbewegungen - Striche oder Passes genannt – über den ganzen Körper, vom Kopf bis zu den Füßen, und berührte dann die Bauchgegend. Diese Prozedur löste eine "Krise" aus, die durch eine Veränderung des Bewusstseins und durch Muskelverkrampfungen charakterisiert war und die freie Zirkulation der Kraft wiederherstellen sollte.
In der Gruppenbehandlung sassen die Patienten um einen Zuber herum in einem wenig beleuchteten Raum. Jeder berührte seine beiden Nachbarn, so dass eine Art Kette gebildet wurde. Augenzeugen beschrieben diese Gruppensitzungen: "Einige Kranke bleiben ruhig und spüren nichts. Andere husten, stöhnen, empfinden leichte Schmerzen und ein lokalisiertes oder diffuses Wärmegefühl und fangen an, zu schwitzen. Andere sind unruhig, von Krämpfen gequält. Anzahl, Dauer und Intensität der Krämpfe sind aussergewöhnlich. Man hat Krämpfe beobachtet, die drei Stunden gedauert haben. Sie sind durch plötzliche, unwillkürliche Bewegungen aller Glieder und des ganzen Körpers charakterisiert."
1778 zog er nach Paris. Die Behandlungen, die Mesmer vor allem dort machte, erhöhten seine Popularität beträchtlich. Die französische Regierung wollte ihm sogar sein Geheimnis mit einer jährlichen Rente von 20.000 Livres abkaufen. Mesmer nahm jedoch das Angebot nicht an, sondern ließ durch seinen Anhänger Bergasse für die Mitteilung seiner neuen Heilmethode eine Subskription eröffnen, die 340.000 Livres eintrug. Trotzdem hat er die genaue Methodik nie ausführlich mitgeteilt, was dazu führte, dass man sie für bloßen Schwindel hielt. Indes hatte doch die Sache ein solches Aufsehen gemacht, dass sich die Regierung veranlasst sah, zu deren Untersuchung drei Kommissionen niederzusetzen, in welche die berühmtesten französischen Ärzte und Naturforscher gewählt worden waren. Das Urteil fiel für Mesmer sehr ungünstig aus und er zog sich an den Bodensee zurück. Heute sieht man Mesmers Methoden als Vorläufer der Hypnose und der Suggestionstherapie.
Marquis de Puységur, (1751- 1825)
Puységur macht eine interessante Beobachtung. Ein Junge zeigt während der Magnetisation eine eigenartige Krise: Er gerät in einen dem Schlafwandel ähnlichen Zustand, scheint die Umgebung nicht mehr richtig wahrzunehmen, beantwortet jedoch die Fragen des Magnetiseurs. In diesem sonderbaren Zustand setzt der Junge die Anwesenden in Erstaunen mit Antworten, die seine Kenntnisse und Bildung weit zu übertreffen scheinen. Puységur nennt diese besondere Krise "Somnambulismus" bzw. den "magnetischen Schlaf", widersprach der Theorie des Fluidums und betonte die Bedeutung des Psychologischen Aspekts des Hypnotisierens als wesentlich für das Zustandekommen des Rapports zwischen Mesmerisierer und Mesmerisierten.
Abbé Faria, (1755-1819)
Abbé Faria verwendete als Induktionsverfahren eine Art Schreckhypnose, das dem Verfahren ähnelt, welches Freud später anwandte. Er schaute seine Patienten, die auf seine erhobenen Handflächen starrten, scharf an und rief "Dormez!". Daraufhin hatten die Patienten Visionen oder verspürten Schmerzlosigkeit. Abbé Faria befasste sich auch mit Erklärungsversuchen für die Hypnose. In seinen Ausführungen wies er auf den Zusammenhang von Hysterie und Hypnose hin. Er kam zu der Ansicht, dass nicht nur der Hypnotiseur der aktiv Teilnehmende sei, der Patient sei auf gewisse Weise psychisch beeinflussbar, und erlebe eine Trennung von Seele und Körper.
James Esdaile (1808-1859)
In England und Schottland wird Hypnose zur Betäubung bei Operationen eingesetzt. James Esdaile führte bei seinen Patienten den so genannten Esdaile-Zustand herbei. Darunter versteht man eine Trancetiefe in der eine Anästhesie (Schmerzunempfindlichkeit) etabliert wird. Er beschrieb viele schmerzfrei durchgeführte und gut verheilende Amputationen, welche er mit dieser Methode durchgeführt hatte.
James Braid, (1795 - 1860)

James Braid war ein schottischer Arzt, der in Manchester praktizierte. Durch eine Demonstration des Magnetiseurs Charles Lafontaine wurde er auf den Magnetismus aufmerksam.

Braid war zuerst der Ansicht, dass es sich bei der Hypnose um eine Art Schlaf handelte. Daher nannte er das Phänomen « Neurohypnosis» (= nervöser Schlaf) und später «Hypnose», in Anlehnung an das griechische Wort hypnos ( = Schlaf).

Als Ergebnis seiner Beobachtungen änderte James Braid kurz vor seinem Tode seine Ansichten hierüber. Er sah Hypnose zu diesem Zeitpunkt als die Konzentration der Aufmerksamkeit und Erhöhung der Einbildungskraft. Deshalb wollte er den Begriff Hypnose durch die Bezeichnung Monoideismus ersetzen.

Da die Bezeichnung Hypnose sich zu diesem Zeitpunkt schon weitestgehend etabliert hatte wurde sie jedoch beibehalten.

Ambroise A. Liébeault (1823-1904) und Hippolyte Bernheim (1837- 1919)
Gemeinsam gründeten sie die Schule von Nancy. Die Nancy-Schule geht davon aus, dass Hypnose ein psychologisches Phänomen ist, und dass Symptombeseitigung durch Hypnose harmlos sei.
Ambroise Auguste Liébeault (1823 - 1904) arbeitete als einfacher Landarzt in der Nähe von Nancy/Frankreich. Nachdem er das Buch «Neurypnology» von James Braid gelesen hatte, begann er sich für Hypnose zu interessieren. Nachdem er mit Hypnose experimentiert hatte, setzte er diese erfolgreich, nicht nur für funktionelle, sondern auch für organische Störungen ein. Um nicht als Scharlatan betitelt zu werden, verzichtete Liébeault, bei Patienten die er mit Hypnose behandelte, auf ein Honorar.

Im Jahre 1895 behandelte Hippolyte Bernheim erfolglos einen Patienten gegen dessen Ischias-Schmerzen. Der Patient liess sich durch Liébeault mit Hypnose behandeln und wurde gesund.

Eigentlich wollte Hippolyte Bernheim, Liébeault als Scharlatan blossstellen. Wurde jedoch von den Möglichkeiten der Hypnose dermassen begeistert, dass er begann mit Liébeault zusammen zu arbeiten.

Jean-Martin Charcot (1825-1893)

Jean-Martin Charcot war wohl der berühmteste Neurologe seiner Zeit. Er war Chef der Salpetriè in Paris, einem grossen Frauen-Krankenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Charcot untersuchte Hypnose nur bei einer kleinen Zahl von Hysterikerinnen, die er jedoch nicht selber hypnotisierte. Ihm unterlief der Fehler, hysterische Symptome als hypnotisches Erscheinungsbild anzusehen und dabei den hypnotischen Zustand als einen krankhaften Zustand zu beschreiben.

Allerdings wurde aufgrund der Autorität Charcots das Phänomen "Hypnose" in wissenschaftlichen Kreisen gesellschaftsfähig und als untersuchungswürdiges Phänomen ernst genommen.

Sigmund Freud (1856-1939)

Sigmund Freud begann seine Karriere an der Salpetriè in Paris.

Dort traf er auf Jean-Martin Charcot. Dieser beeindruckte ihn sehr. Freud übersetzte die Werke von Charcot ins Deutsche, dadurch ergab sich für ihn die Möglichkeit Näheres über die Arbeiten von Charcot zu erfahren.

Freud kommt zu der Erkenntnis, dass ein „vom Bewusstsein getrenntes Denken“ existiert.

Er gilt als der Begründer der Psychoanalyse und war der Erste, der das menschliche Unterbewusstsein wissenschaftlich erforschte.

Anfangs arbeitet er mit Hypnose und Suggestionen, später liess er dies jedoch zugunsten der freien Assoziation fallen.

Milton Erickson (1901 - 1980)

Der amerikanische Arzt und Psychiater Milton Erickson war wohl eine der wichtigsten Figuren im Kampf um die offizielle Anerkennung der Hypnose als Therapieform. Ericksons Methode hat vor allem zwei hervorstechende Merkmale: Permissive Suggestion und indirekte Suggestion durch Metaphern. Allein durch Erzählen von Geschichten brachte Erickson seine Patienten dazu, in Trance zu gehen. Die gewünschten Veränderungen und Heilungen traten wie durch ein Wunder ein.

Seit Erickson wissen wir, dass ein Mensch auch gegen seinen Willen in Trance gehen kann, und dass es gewisse Sprachmuster gibt, die die Trance vertiefen.

(Siehe auch Hans-Peter Zimmermann's Gratis-E-Buch Hypnose im Alltag .)

Dave Elman (1900 - 1967)

Der Ansatz von Dave Elman steht für viele auf den ersten Blick im Kontrast zu jenem von Milton H. Erickson.

Er meinte es komme darauf an, dass der Hypnotisand die Anweisungen des Hypnotiseurs genauestens befolgt. Dabei war er recht einfallsreich und erfolgreich, seine Methoden sind sowohl permissiver als auch autoritiver Natur und sind gekennzeichnet von hoher Wirksamkeit.

Sehr wirksam sind insbesondere seine schnell wirkenden direkten Induktionstechniken.

«Schließe deine Augen und tue so, als ob du sie nicht mehr öffnen könntest. Jetzt zähle von 100 bis 1 abwärts und tue so, als ob du ab 97 alle Zahlen vergessen hättest.» Mit Elmans Technik gehen 90 Prozent der Bevölkerung in eine somnambulistische Trance.

Richard Bandler und John Grinder

Zwei Amerikaner, der Linguist John Grinder und der Informatiker Richard Bandler, haben in den frühen 70er Jahren drei Therapeuten und deren Methoden eingehend studiert: Den amerikanischen Arzt und Hypnose-Therapeuten Milton Erickson, die Familientherapeutin Virginia Satir und den Verhaltenstherapeuten Fritz Perls. Daraus haben die beiden ein neues, ziemlich großes Gebiet der Psychotherapie entwickelt, das zum größten Teil auf einer Art Wach-Hypnose beruht sowie der Art und Weise, wie Sprache direkt auf unser Nervensystem wirkt.

Das Raffinierte am NLP sind eigentlich nicht einmal die Techniken; sie basieren größtenteils auf bestehenden therapeutischen Schulen. Das eigentliche Verdienst von Bandler und Grinder besteht aus der radikalen Umsetzung in sofortige Resultate und der Einstellung, die hinter der NLP-Therapie steht: Nämlich, dass wir Menschen alle Ressourcen zur Verfügung haben, die wir brauchen, um uns zu ändern und dass der Therapeut dem Kunden lediglich hilft, sich auf seiner eigenen geistigen Landkarte besser zurechtzufinden.

 

 

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